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Die Charta zum Schutz der Grünen Finger – unverbindlicher Schutz, aber viel Freiraum für Bauprojekte!
Dr. Matthias Schreiber
Der Rat der Stadt Osnabrück hatte sich mit dem 30.06.2026 ein ganz besonderes Datum ausgesucht, um zum 100. Geburtstag der „Grünen Finger“ eine Charta zu deren Schutz zu verabschieden. Denn wenige Tage zuvor war eine für Deutschland und zu dieser Jahreszeit beispiellose Hitzewelle mit 3 nationalen Hitzerekorden hintereinander zu Ende gegangen. Vordergründig soll die Charta dem Schutz der Grünen Finger dienen, tatsächlich spart sie jedoch weitere Eingriffe in diese Grünzüge und Kaltluftschneisen von vornherein aus. Die Ratsmehrheit lässt also weitere Baumaßnahmen zu, von denen bereits klar ist, dass sie die städtischen Kaltluftschneisen beeinträchtigen werden, von Versiegelung und Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und die Artenvielfalt ganz zu schweigen. Die Charta legt weder für die bereits durchgewunkenen, zusätzlichen Eingriffe noch für künftige Vorhaben besondere Anforderungen fest. Es gilt das ganz normale Wischiwaschi und planerische Allerlei der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung.
Ernüchternd und nicht am Schutz der Grünen Finger und seiner Funktionen orientiert war auch der Weg dahin. Nachdem die Erarbeitung einer Charta bereits vor Jahren angekündigt worden war, aber nichts passierte, haben sich verschiedene Initiativen im Herbst letzten Jahres zusammengesetzt und einen eigenen Entwurf formuliert. Der wurde Ende Oktober 2025 an die Ratsfraktionen und die Oberbürgermeisterin versandt. Die einzige Reaktion darauf war eine zwar lange, allgemein gehaltene und in den Formulierungen irgendwie künstlich daherkommende E-Mail-Antwort des Stadtbaurats Thimo Weitemeier.
Als dann für den Juni 2026 die Entscheidung im Rat der Stadt angekündigt war, wandte sich das Umweltforum noch einmal an die Fraktionen im Rat. Während die UWG/FDP-Gruppe in einem Gespräch ihre generelle Ablehnung jeglicher Bebauung betonte, teilte man uns bei einem gemeinsamen Termin der Gruppe Grüne/Volt und SPD mit, dass an dem Entwurf nichts mehr geändert werde. Ein Gespräch mit der CDU kam gar nicht erst zustande, trotz zweimaliger Ankündigung, man werde sich zwecks Terminabsprache zurückmelden.
Ein „Meilenstein für Klima- und Umweltschutz, für Artenvielfalt und Naherholung“, wie Anne Kura den Beschluss für Bündnis 90/Die Grünen in einem Instagram-Beitrag feierte, ist die Charta jedenfalls nicht. Inhaltlich ambitionslos und von oben herab ohne Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit eingeführt ist sie nicht geeignet, die wichtigen Funktionen der Grünen Finger zu sichern. Auseinandersetzungen um Bauvorhaben in den Grünen Fingern sind daher vorprogrammiert. Angesichts der jüngsten Hitzewelle, die nicht nur „Wetter“ ist, sondern durch die Erderhitzung verstärkt und zu einem regelmäßig wiederkehrenden „neuen Normal“ zu werden droht, sehen wir uns deshalb geradezu verpflichtet, für den Schutz der städtischen Grünzüge gegen Bauvorhaben nötigenfalls auch vor Gericht zu gehen.
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