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Innovative Pflegemaßnahmen fördern Heuschrecken in Sandheiden
Prof. Dr. Thomas Fartmann
Sandheiden bieten zahlreichen spezialisierten Pflanzen- und Tierarten einen unverzichtbaren Lebensraum. Viele Heideflächen leiden heute jedoch unter fehlender oder unzureichender Pflege. Die Folge sind überalterte Bestände mit dichter Vegetation und geringer Strukturvielfalt. Für viele lebensraumtypische Arten verschlechtern sich dadurch die Bedingungen zunehmend. In einer in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation veröffentlichten Studie wurden am Beispiel der Heuschrecken vier Managementvarianten mit überalterten Heidebeständen in der Lüneburger Heide verglichen, in denen zuvor mindestens fünf Jahre lang kein Management erfolgt war. Untersucht wurden traditionelle Pflegeverfahren wie Heidebrand und -mahd sowie neuartige mechanische Managementvarianten, die mit traditionellen Verfahren kombiniert wurden. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Varianten hinsichtlich Vegetationsstruktur und Heuschreckengemeinschaften. Besonders günstige Bedingungen entstanden nach dem Brennen mit anschließender Bearbeitung der Flächen mittels Scheibenegge. Die Kombination aus offenen Bodenstellen, niedrigwüchsiger Vegetation und einem kleinräumigen Mosaik unterschiedlicher Strukturen führte zu einer hohen Habitatvielfalt, die sich in den höchsten Artenzahlen und Individuendichten der Heuschrecken widerspiegelte. Ähnlich gute Habitatbedingungen wurden nach einer Heidemahd mit anschließendem Entmoosen festgestellt. Altheiden mit hohen, dichten Heidebeständen und geringer Strukturvielfalt wiesen hingegen nur eine geringe Bedeutung als Lebensraum für Heuschrecken auf. Die neuartigen Pflegemaßnahmen verbessern die Lebensbedingungen für Heuschrecken auf unterschiedliche Weise: Sie schaffen offenbodenreiche Standorte mit warmem Mikroklima, die insbesondere zur Eiablage und Larvalentwicklung vieler heidetypischer Arten entscheidend sind. Zudem erhöhen sie die Strukturvielfalt, die für Arten essenziell ist, die im Lebenszyklus auf unterschiedliche Mikrohabitate angewiesen sind. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sowohl die Bearbeitung mit der Scheibenegge nach dem Heidebrand als auch das Entmoosen nach der Heidemahd zum Erhalt früher Sukzessionsstadien beitragen und sinnvolle Ergänzungen des traditionellen Heidemanagements darstellen. Beide Maßnahmen zeichnen sich durch vergleichsweise geringe Kosten aus und unterscheiden sich damit von traditionellen, mechanischen Pflegevarianten wie Plaggen und Schoppern. Die neuartigen Verfahren können somit künftig einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt in Sandheiden leisten und sollten auch in anderen Heidegebieten verstärkt in das Habitatmanagement einbezogen werden.
Der Originalbeitrag (engl.) kann hier heruntergeladen werden. Und her können Sie etwas zu den beiden Autoren erfahren: Brüggeshemke, J. & T. Fartmann
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