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Grüner Finger Schinkelberg – mit hellgrünem Fortsatz

 

Carolin Kunz

Lage

Der Grüne Finger Schinkelberg erhebt sich im Nordosten der Stadt zwischen Bremer Straße und Windthorststraße und erstreckt sich vom Schinkelbad bis zum Campingplatz Niedersachsenhof an der Nordstraße. Dort wird er von der A33 gekreuzt und setzt sich jenseits der Autobahn als sogenannter Hellgrüner Finger bis nach Belm fort.
Angrenzend liegen die Stadtteile Schinkel, Schinkel-Ost, Widukindland und Gretesch. Er ist von der Innenstadt aus über den Grünzug der Ebertallee und die Schinkelbergstraße in 20 Minuten erreichbar.
Als weithin sichtbares Wahrzeichen markiert der Fernsehturm Widukindland („Schinkelturm“) den Grünen Finger und gibt ihm eine starke landschaftliche Identität.

Besonderheiten

Der Grüne Finger Schinkelberg bildet einen bedeutenden, zentralen, siedlungsnahen Frei- und Erholungsraum für die umliegenden Quartiere, von denen Schinkel besonders dicht besiedelt ist. Er ist ein unverzichtbarer Ort für Bewegung, Begegnung, Erholung und Naturerfahrung und wird von einer kulturell vielfältigen Stadtgesellschaft intensiv genutzt.

Schattige Wege und schmale Trampelpfade führen durch einen hügeligen Buchenwald. Wer aufmerksam unterwegs ist, entdeckt an einer Lichtung und neben der Gesamtschule Schinkel geheimnisvolle Steinkreise – stille Orte, die zum Innehalten einladen und dem Schinkelberg eine besondere Atmosphäre verleihen.

Die große, wildgewachsene Schinkelbergwiese bietet Raum für Artenvielfalt ebenso wie für Begegnung, Spiel, Grillabende oder winterliches Rodeln. Von hier lohnt sich der Blick über Osnabrück und das Umland, eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit geschwungenen Hügeln und weiten Feldern.

Weitere prägende soziale Orte sind der Kleingartenverein Schinkel e. V. mit seinem beliebten Lokal & Biergarten „Zum Laubenpieper“, von dessen Terrasse aus man schöne Sonnenuntergänge sowie einen eindrucksvollen Ausblick auf die Stadt genießen kann, sowie die Sportanlage Schinkelberg mit dem Trainingszentrum des VfL Osnabrück.

Am Fuße des Schinkelberges Richtung Windthorststrasse entfaltet sich ein offener Landschaftsraum mit Acherflächen, der stadteinwärts von der Gesamtschule Schinkel begrenzt, stadtauswärts durch die A33 eingeschränkt wird.

 

Akuelle Situation / Gefährdung

Der Schinkelberg vereint Natur, Erholung, Landwirtschaft und Klimaschutz auf engem Raum. Diese besondere Mehrfachfunktion gerät aktuell durch verschiedene Eingriffe und Planungen unter Druck.

Im vergangenen Herbst kam es zu einem erheblichen Eingriff: Im Zuge des Neubaus eines Wasserspeichers wurde ein größeres Areal der Stadtwerke mit vielfältigen alten Laubgehölzen komplett gerodet, wodurch Lebensräume verloren gingen und die ökologische und optische Qualität des Freiraums beeinträchtigt wurde. Aufforstungen wurden zugesagt, sind aber erst nach Ende der Baumaßnahmen zu erwarten.

Als besonders kritisch zu bewerten sind jedoch die Planungen zur Bebauung der Ackerflächen unterhalb des Grünen Fingers Schinkelberg entlang der Windthorststraße/ Kahle Breite.

Die im Rahmen des Hochschulprojekts „Produktiv. Lebendig. Nachhaltig. Grüne Finger für eine resiliente Stadtentwicklung“ untersuchten Flächen weisen eine herausragende ökologische und klimatische Bedeutung auf. Sie besitzen ein sehr hohes landwirtschaftliches Ertragspotenzial, eine sehr hohe Wasserretentionsfähigkeit (Wasserrückhalt) und sind als Kaltluftentstehungsgebiete mit einem sehr hohen Kaltluftvolumenstrom wichtiger Bestandteil des Osnabrücker Frisch- und Kaltluftgeschehens. Sie erfüllen damit mehrere zentrale Funktionen gleichzeitig und sind als multifunktionale Agrarflächen von besonderer Bedeutung einzustufen.

In ihrer Gesamtheit tragen sie damit wesentlich zur Resilienz des Grünen Fingers und der angrenzenden Stadtquartiere bei. Statt den Empfehlungen des Hochschulprojektes zu folgen und die Grenzen der Grünen Finger auszuweiten und diese zu verbinden, droht diesen Flächen nun die endgültige Versiegelung.

Der Bebauungsplan Nr. 620 sieht vor, auf einem Großteil der an den Grünen Finger angrenzenden Flächen ein sogenanntes „Klimaquartier“ mit rund 333 Wohneinheiten für etwa 1.000 Menschen zu errichten, teils in bis zu fünfgeschossiger Bauweise.

Das bestehende klimatologische Gutachten des Planungsbüros GEO-Net von 2017 sieht in einer Bebauung an dieser Stelle „erhebliches Konfliktpotenzial“, vor allem in Kombination mit weiteren geplanten Versiegelungen am Friedensweg/Röthebach (Förderschulcampus).

Durch den Bebauungsplan 620 werden Kaltluftentstehungsgebiete versiegelt. Kaltluftschneisen werden planerisch zwar berücksichtigt, jedoch ist davon auszugehen, dass Kaltluft dort nicht mehr in ausreichendem Maße fließen kann, wo durch Versiegelung ihre Bildung beeinträchtigt ist.

Eine Untersuchung der klimatischen Auswirkungen der aktuellen Bebauungspläne auf das weitere Stadtgebiet und die von den Kaltluftströmen betroffenen entfernteren Quartiere ist bewusst nicht erfolgt.

Mit der geplanten Bebauung besteht zudem die Gefahr, dass der offene, dörflich geprägte Charakter von Schinkel-Ost verloren geht und der Grüne Finger Schinkelberg in seiner Funktion als zusammenhängender, klimaökologisch wirksamer Freiraum nachhaltig geschwächt wird.

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