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Grüner Finger Sandbachtal – ein wichtiges Element
Marita Thöle
Vorgeschichte
Unter dem Titel „Grüne Finger für eine klimaresiliente Stadt“ wurde in der Zeit vom 1.11.2018 bis 31.5.2022 unter Federführung der Hochschule Osnabrück und in Zusammenarbeit mit der Stadt Osnabrück ein Projekt zur Bedeutung dieses einzigartigen Freiraumsystems durchgeführt. Das aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanzierte Vorhaben verfolgte einen transdisziplinären Forschungsansatz. Verschiedene Fachdisziplinen der Hochschule Osnabrück arbeiteten mit der Stadtverwaltung als Praxis- und Verbundpartner und wichtigen Akteuren aus Politik und interessierter Öffentlichkeit gemeinsam an der Entwicklung von Lösungsansätzen. Verschiedene Beteiligungsformate wie Raumerkundungen und Workshops bildeten den Kern des Projektes.
Die Übernahme der Ergebnisse des Projektes wurde in der Ratssitzung am 27.09.2022 nahezu einstimmig beschlossen. Damit erkannte der Rat der Stadt Osnabrück „den Wert den Wert der Grünen Finger als identitätsstiftendes und strukturgebendes Freiraumsystem mit herausragender Bedeutung für eine zukunftsfähige, klimaresiliente Stadt an.“ Er verpflichtete sich zu ihrem Schutz und zur Weiterentwicklung der Funktion der Grünen Finger für Klimaanpassung, Klimaschutz, Landschaftserleben, Biodiversität und Landwirtschaft.
Lage
Das Sandbachtal liegt im nordöstlichen Bereich der Stadt, zwischen der Dodesheide und dem Widukindland. Von dort aus führt der Grüne Finger hinaus in die freie Landschaft in Richtung Belm.
Die malerische Allee der Langen Wand ist ein Geheimtipp, um direkt in den verträumten Buchenmischwald des Sandbachtals zu gelangen. Die Allee ist ein Naturdenkmal und besitzt neben dem ökologischen auch einen kulturhistorischen Wert. Sie beginnt an der Knollstraße, unweit des Bürgerparks. Auch vom Haster Weg aus lässt sich der Grüne Finger gut erkunden.
Einen weiteren Weg ins Sandbachtal bietet der Radschnellweg zwischen Osnabrück und Belm. Er lädt zur Bewegung und Erholung am Rande des Grünen Fingers ein – ob mit Fahrrad, Inlineskates oder dem Skateboard.
Mit dem Bus bietet es sich an, von der Innenstadt bis zum Waldfriedhof Dodesheide zu fahren und durch den Grünen Finger wieder bis in die Innenstadt zu spazieren.
Besonderheiten
Namensgebend und doch nur wenig bekannt, zieht sich der Sandbach mitten durch den Grünen Finger, begleitet von zahlreichen Feuchtbiotopen wie Nasswiesen und Auwälder.
Auf den satten Wiesen lassen sich Rinder und Pferde beobachten – mit etwas Glück auch Wild oder seltene Vögel. Kaum jemand vermutet derart weite Ackerflächen in so unmittelbarer Stadtnähe. Die dichten Wälder laden zum Spazieren ein und spenden gerade an heißen Sommertagen wohltuenden Schatten. An einigen Stellen ist der Wind deutlich zu spüren: Er bläst frische Luft bis in die Innenstadt und sorgt für wohltuende Abkühlung.
Auch der Sandbach belebt mit seinem kühlen Nass heiß oder müde gewordene Füße. Er ist nicht tief, sodass auch Kinder sicher durch den Sandbach waten können. Hin und wieder frieren im Winter die Feucht-gebiete des Sandbachtals zu und werden als „Eiswiesen“ zu einer natürlichen Schlittschuhbahn.
Auch baugeschichtlich kann das Sandbachtal einiges bieten: Zum einen das schon von weitem durch seine gelbe Farbe erkennbare Gut Gartlage, ein ehemaliges Herrenhaus am Gartlager Weg aus dem 16. Jahrhundert, das heute eine Versicherung beherbergt. Zum anderen der aus dem Jahr 1797 stammende Bauernhof Luhrmann. Er liegt in einem großen Garten mit wunderschönem, altem Baumbestand in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Stillgewässer. In dieser liebevoll umgebauten Hofanlage mit Scheune, Backhaus, Stall und Remise wohnen und lernen Studierende inmitten der Natur. Jedes Frühjahr veranstaltet der Luhrmannshof sein öffentliches Hoffest.
Akuelle Situation / Gefährdung
Unter dem Dach des Umweltforums Osnabrücker Land e.V. gelang es zwischen 2020 und 2021 vielen Bürgerinitiativen und Umweltgruppen, großflächige Bauvorhaben im Grünen Finger Sandbachtal zu verhindern (geplant waren ein Baugebiet südlich der Knollstraße sowie ein VfL-Sportleistungszentrum und Fußballplätze in der Gartlage, für Letzteres waren die Grundstücke durch die Stadt bereits angekauft).
Das Thema „Finger weg von den Grünen Fingern“ war das beherrschende Thema des Kommunalwahlkampfes 2021. Im Rahmen der Kampagne wurden 6000 Unterschriften gesammelt, die im Dezember 2021 an den Vorsitzenden des neu gebildeten Stadtrates übergeben wurden.
Es dauerte dann noch neun Monate, bis der Rat der Stadt am 27. September 2022 nahezu einstimmig beschloss, die Ergebnisse des Hochschulgutachtens im Wesentlichen zu übernehmen und in das neue Stadtentwicklungskonzept einzuarbeiten (s.o.).
Dennoch kam es im Jahr 2025 zu Plänen der Stadt Osnabrück, im Grünen Finger Sandbachtal auf Flächen, die die Stadt bereits angekauft hatte (s. o.) eine großflächige Photovoltaik-Anlage zu errichten. Wegen der großen ökologischen Bedeutung des Gebietes nahm die Stadt Osnabrück von diesen Plänen mittlerweile Abstand.
Aktuell liegt der Fokus für die zukünftige Nutzung auf dem Schutz und der freiraumplanerischen und naturschutzfachlichen Entwicklung des Grünen Fingers. Hierzu zählen folgende mögliche Nutzungen:
- Revitalisierung des Sandbachs
- Fortführung der Beweidung
- Erschließung der Fläche für die Naherholung unter Berücksichtigung von Freizeiteinrichtungen
- Anbindung an die umliegenden Stadtteile
- Steigerung der Erlebbarkeit & Erfahrbarkeit des Grünen Fingers (Wegestruktur ggf. anpassen/ausbauen, Umweltbildung etablieren) und Sichtbarmachen der Zugänge in den Freiraum
Die Wegestruktur im Grünen Finger wurde mittlerweile durch eine neue Verbindung zwischen Haster Weg und Halle Gartlage erweitert.
Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass sich das jahrelange Engagement vieler Umwelt- und Klimaaktivisten gelohnt hat und die Verantwortlichen von Rat und Verwaltung der Stadt Osnabrück den Schutz und die Weiterentwicklung des Grünen Fingers Sandbachtal mittlerweile ernst nehmen.
Die Initiative Finger weg von den Grünen Fingern arbeitet unter dem Dach des Umweltforum Osnabrücker Land e. V.
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