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VECHTOS – ein Mammutvorhaben für mindestens ein Jahrzehnt!

 

Dr. Matthias Schreiber

Schon im Herbst 2022, also vor fast 4 Jahren, lagen die Anfänge für das Großprojekt, im ca. 4.500 ha umfassenden Gebiet „Großes Moor/Campemoor“ durch geeignete Maßnahmen und angesichts der weiter voranschreitenden Erderhitzung den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen zu verringern. Wenn sich manche nun fragen: „Und wo sind jetzt endlich die Ergebnisse?“ verkennen sie, vor welcher Aufgabe die Initiatoren standen und weiter stehen. Zuerst einmal mussten hier ganz viele unterschiedliche Akteure zusammenfinden, die sich sonst eher kritisch gegenüberstanden oder zumindest wenig Berührungspunkte hatten: Landwirte und Naturschützer, verschiedene Behörden, Kommunen, wenn auch benachbart, aber aus verschiedenen Landkreisen, und Torfwerke. Sie müssen für eine Vielzahl wirtschaftlicher Interessen und unterschiedlichste landschaftliche und standörtliche Verhältnisse Lösungen zu finden, die im Ergebnis darauf hinauslaufen, die bestehende Nutzung zu ändern: Abtorfungen am besten schnell beenden, intensiv genutzte Äcker werden zu Grünland, Zurückhalten von Wasser. All das sind nicht nur Nutzungsänderungen, sondern sind eine Herausforderung für die wirtschaftliche Existenz von Betrieben, wenn sie sie nicht ganz infrage stellen.

All das erfordert erhebliche finanzielle Aufwendungen, wobei klar ist, dass angesichts angespannter kommunaler Kassen und des riesigen Gebietes allenfalls kleine Teile von den Akteuren vor Ort in Eigenleistung gestemmt werden kann. Leistungsstarke Landes- oder Bundesprogramme fehlen entweder ganz oder sind erst in den letzten Monaten so weit ausgereift, dass Anträge dorthin gestellt werden konnten (insbesondere das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, ANK).

Die bisherigen Entwicklungen

Bei der Podiumsdiskussion am 27.09.2023: Landrat Tobias Gerdesmeyer, Moderator
Michael Steinkamp, Landrätin Anna Kebschull

Stellt man all das in Rechnung, ist in den ersten Jahren schon sehr viel erreicht worden, wie hier zusammen mit den jüngsten Entwicklungen noch einmal zusammengestellt werden soll:

Seinen Anfang genommen haben die Aktivitäten mit anfangs sehr kleinflächigen Renaturierungsarbeiten im Naturschutzgebiet Venner Moor seit Mitte der achtziger Jahre durch den NABU Osnabrück. Die Arbeiten wurden in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich durch Zuwendungen der Hamann-Stiftung (Osnabrück) unterstützt und ermöglichten die Beauftragung von professionellen Landschaftspflegebetrieben.

Parallel endeten im NSG und in anderen Teilen des VECHTOS-Gebietes Abtorfungen. Zurück blieben so gut wie überall gut hergerichtete Flächen, auf denen eine erfreuliche Entwicklung hin zu naturnahen Moorflächen eingesetzt hat.

Seit 2021 ist der Landkreis Osnabrück selbst mit ansehnlichen Mitteln in die zusätzliche Renaturierung von Flächen im NSG Venner Moor eingestiegen und hat für ein insgesamt ca. 500 ha großes Gebiet einen Managementplan in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse noch dieses Jahr erwartet werden.

In den letzten drei Jahren hat überdies MissiontoMarsh dem Umweltforum Osnabrücker Land erhebliche Mittel bereitgestellt, die in die professionelle Nachpflege von vor längerer Zeit aus dem Torfabbau gefallenen Flächen gesteckt werden konnten.

Die beiden beteiligten Landkreise haben auf eigene Kosten ein flächendeckendes Kataster zur Ermittlung der noch verbliebenen Moormächtigkeit in Auftrag gegeben. Denn das ist die unverzichtbare Grundlage für die Planung und Priorisierung von Maßnahmen zum Moorschutz. Aktuelle Unterlagen, z.B. auf Landesebene, existieren hierzu nicht.

Das Umweltforum Osnabrücker Land hat sich im Rahmen eines Widerspruchs gegen eine neue Abtorfungsgenehmigung auf eine Vereinbarung verständigt, bei der die Abtorfungsfläche signifikant verringert und zusätzlich in erheblichem Umfang Moorvernässungen festgeschrieben wurden.

Schließlich ist zu erwähnen, dass im NSG „Dievenmoor“ ein vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren gestartet wurde, um den stark zersplitterten Streubesitz zusammenzulegen und so eine Grundlage für eine Vernässung dieses zu erheblichen Teilen bereits im Besitz der öffentlichen Hand befindlichen Naturschutzgebietes zu schaffen.

Jüngste Aktivitäten

Renaturierte Abtorfungsfläche im Kalkrieser Moor (Landkreis Osnabrück)

In jüngster Zeit sind noch einmal gewichtige Bausteine hinzugekommen. So gaben die beiden Landkreise Anfang Juli 2026 in einer Pressemitteilung bekannt, dass der große Förderantrag für Mittel aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz beim Bundesumweltministerium eingereicht worden ist. Darin heißt es:

„Mit dem Projekt treiben die Landkreise die Transformation der Moorregion Großes Moor/Campemor voran. Ziel ist es, langfristig bedeutende Flächen wiederzuvernässen, Torfzehrung zu verringern und Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorböden zu reduzieren. Zugleich wird die landwirtschaftliche Nutzung aktiv mitgedacht: Flächen sollen auch unter veränderten Wasserständen weiter bewirtschaftet werden können — etwa als Nasswiese, durch angepasste Grünlandnutzung, extensive Beweidung oder alternative Anbaupflanzen.

Das Projektgebiet umfasst rund 5.100 Hektar. Eine wichtige fachliche Grundlage bildet das Moorkataster, das derzeit im Landkreis Osnabrück erarbeitet wird. Die Ergebnisse fließen in „VECHTOS“ ein und helfen, geeignete Bereiche für Wasserstandsanhebungen und Wiedervernässungsmaßnahmen zu bestimmen. Dabei geht es um fachlich sinnvolle, klimawirksame und technisch umsetzbare Maßnahmen, die mit bestehenden Nutzungen und den Menschen vor Ort abgestimmt werden.

Viele Moorflächen in der Region werden seit Generationen landwirtschaftlich genutzt. Deshalb setzt das Projekt auf Freiwilligkeit, Beratung und verbindlichen Dialog. Maßnahmen werden gemeinsam mit den betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern entwickelt.

„Der Landkreis Osnabrück leistet seit mehreren Jahren bedeutende Vorarbeit im Moorschutz. Mit dem Moorkataster schaffen wir eine wichtige Grundlage, um Moorflächen, Handlungsbedarfe und Entwicklungsmöglichkeiten besser zu erfassen“, erklärt Anna Kebschull, Landrätin des Landkreises Osnabrück. „Aber Karten und Konzepte allein reichen nicht. Entscheidend sind die Menschen vor Ort — insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Gemeinden. Sie kennen die Flächen, die Nutzung und die praktischen Herausforderungen. Deshalb kann dieses Projekt nur gemeinsam und nur im Dialog gelingen.“

Der regionale Prozess wurde bereits 2023 mit einer Bürgerveranstaltung beim Gasthaus Beinker öffentlich aufgegriffen. Seitdem wurde das Thema gemeinsam mit regionalen Akteuren weiterbearbeitet. Eine zentrale Rolle übernimmt der Arbeitskreis Moor, der fachliche Einschätzungen, regionale Erfahrungen und die Perspektiven vor Ort bündelt. Auch das Land Niedersachsen begleitet den Prozess konstruktiv und unterstützt das Projekt im Falle einer Bewilligung.

Das Vorhaben ist auf eine Laufzeit von 13 Jahren angelegt und hat ein Projektvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Vorgesehen sind fachliche Untersuchungen, Maßnahmen zur Wasserstandsanhebung und Wiedervernässung, Beratungs- und Beteiligungsangebote, Ausgleichsregelungen sowie Demonstrations- und Wissenstransferformate für nasse und angepasste Nutzung.

Neben dem Beitrag zum Klimaschutz eröffnet das Projekt Perspektiven für regionale Wertschöpfung. Unter höheren Wasserständen werden alternative Bewirtschaftungsmöglichkeiten praktisch erprobt. Darüber hinaus werden mit alternativen Materialien neue Wertschöpfungsketten in der Region aufgebaut, etwa durch Verarbeitung, Verwertung, Kooperationen und neue Produktketten.

Mit dem Förderantrag überführen die Landkreise Osnabrück und Vechta den begonnenen regionalen Prozess in eine langfristige Projektstruktur. Nach einer Bewilligung starten die nächsten Schritte mit der Einbindung der Ergebnisse aus dem Moorkataster, weiteren fachlichen Untersuchungen, Gesprächen mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern und der Konkretisierung geeigneter Maßnahmenräume.“

Steigt die Heinz Sielmann Stiftung in den Moorschutz ein?

Für die Sielmann Stiftung sollen Hindernisse im Venner Moor aus dem Weg geräumt werden:
Vorstand Thomas Könnecker (Landkreis Osnabrück), Jochen Paleit (Vorstand Sielmann-Stiftung),
Landrätin Anna Kebschull, Matthias Schreiber (Umweltforum), Heiko Schumacher
Sielmann Stiftung

Damit nicht genug: Mitte Juli wurde in einem Ortstermin zwischen der Landrätin Anna Kebschull, Kreisrat Thomas Könneker und Jochen Paleit und Dr. Heiko Schumacher als verantwortlichen Vertretern der Heinz Sielmann Stiftung die Möglichkeit erörtert, die Stiftung mit der langfristigen Betreuung von Flächen im NSG Venner Moor und angrenzenden Bereichen zu betrauen. In der Pressemitteilung vom 24.07. heißt es dazu:

„Bei einem gemeinsamen Termin im Venner Moor informierten sich Vertreter der Stiftung und des Landkreises Osnabrück über den Stand der bereits laufenden Maßnahmen und loteten Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus. ‚Moore machen etwa zehn Prozent des CO2- Ausstoßes in Niedersachsen aus. Daher ist die Wiedervernässung ein wesentlicher Beitrag für unser Klima.‘, so Landrätin Anna Kebschul, die außerdem betont: ‚Moore gehören zu den wertvollsten Lebensräumen, die wir haben. Sie sind wichtige Rückzugsorte für seltene Tier- und Pflanzenarten und leisten zugleich einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. Deshalb ist es ein großer Gewinn, wenn starke Partner wie die Heinz-Sielmann-Stiftung ihr Engagement in unserer Region einbringen möchten.‘ Die Wiedervernässung des Venner Moores sei bereits ein gemeinsames Projekt der Landkreise Osnabrück und Vechta. Ein Engagement der Heinz-Sielmann-Stiftung würde deshalb neue Perspektiven für die langfristige Entwicklung des Moorkomplexes eröffnen.

Aus Sicht des Landkreises Osnabrück ist es gut denkbar, dass der Heinz-Sielmann-Stiftung Flächen im Moorkomplex entweder in Pacht oder auch im Nießbrauch zur Verfügung gestellt werden. Besonders geeignet erscheinen ehemalige Abtorfungsflächen, die sich bislang im Eigentum der Schwegermoor Zentrale befinden. Diese Flächen sind bereits umfangreich kartiert. Zudem liegen für sie konkrete Vorschläge für mögliche Entwicklungs- und Pflegemaßnahmen vor. Aufgrund ihrer ökologischen Wertigkeit werden sie seit längerer Zeit als mögliche Erweiterungsflächen für das Naturschutzgebiet Venner Moor diskutiert.

‚Wir schauen uns sehr genau an, welche Flächen für eine Zusammenarbeit besonders geeignet sind. Dabei geht es nicht allein um den Erwerb von Grundstücken, sondern um eine möglichst gute fachliche Entwicklung des gesamten Moorkomplexes“, erläutert die Landrätin. „Wenn Flächen strategisch sinnvoll liegen, bereits über eine hohe ökologische Wertigkeit verfügen und in ein übergeordnetes Entwicklungskonzept eingebunden werden können, kann ein Ankauf durch die Stiftung ein sehr wertvoller Beitrag sein.‘

Jochen Paleit, Vorsitzender des Vorstandes der Heinz-Sielmann-Stiftung, betonte die Bedeutung langfristiger und vernetzter Naturschutzarbeit: ‚Die Heinz-Sielmann-Stiftung möchte dort Verantwortung übernehmen, wo der Erwerb und die Entwicklung von Flächen einen nachhaltigen Beitrag für den Naturschutz leisten können. Moore sind dabei von herausragender Bedeutung. Sie speichern Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten hoch spezialisierten Arten einen wichtigen Lebensraum. Wir prüfen deshalb sehr sorgfältig, wie wir uns im Großen Moor / Campemoor sinnvoll und dauerhaft engagieren können.‘

Im Mittelpunkt der weiteren Gespräche stehen nun die fachliche Bewertung geeigneter Flächen sowie mögliche Formen der Zusammenarbeit. Aus Sicht des Landkreises können sowohl lagerichtige Flächen als auch geeignete Tauschflächen von Interesse sein. Entscheidend sei, dass sich ein möglicher Flächenerwerb in die bestehende Entwicklungskulisse einfüge und die bereits laufenden Maßnahmen sinnvoll ergänze.

‚Der Naturschutz lebt von Kooperationen – gerade bei großen und komplexen Aufgaben wie der Wiedervernässung von Mooren‘, sagte Anna Kebschull. ‚Wir haben mit VechtOS bereits eine gute Grundlage geschaffen. Wenn nun mit der Heinz-Sielmann-Stiftung ein weiterer erfahrener Partner hinzukommt, kann daraus ein zusätzlicher Impuls für die Entwicklung des Venner Moores entstehen. Das ist eine Chance, die wir gemeinsam fachlich sorgfältig prüfen wollen.‘

Auch Jochen Paleit unterstrich den kooperativen Ansatz: ‚Wir wollen nicht einfach Flächen erwerben, sondern gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort Lösungen entwickeln, die dem Moor langfristig zugutekommen. Entscheidend ist, dass Flächennutzung, Wiedervernässung, Pflege und die Entwicklung wertvoller Lebensräume ineinandergreifen. Das Venner Moor und der gesamte Moorkomplex bieten dafür großes Potenzial.‘ Der Landkreis und die Stiftung haben sich abschließend auf eine konkrete Zusammenarbeit verständigt. Als nächster Schritt erarbeitet die Heinz-Sielmann-Stiftung nun auf Grundlage der Karten und Informationen, die der Landkreis zur Verfügung gestellt hat, erste Vorschläge für ihr Engagement. Daraus soll dann eine langfristige Zusammenarbeit werden.“

Vorratsplanung auf weiteren 500 ha im Projektgebiet VECHTOS

Noch viel zu tun: Maisanbau und Abtorfung im Projektgebiet "VECHTOS"

Die Vereinbarung im Zusammenhang mit der Rücknahme des Widerspruchs gegen die Abtorfung für die Firma Gramoflor enthielt zusätzlich die Zusage, für eine ca. 500 ha große Fläche „auf Vorrat“ weitere Informationen zu erfassen, damit kurzfristig mit Klimaschutzmaßnahmen begonnen werden könnte, wenn außerplanmäßig Mittel zur Verfügung stehen sollten.

Diese unverbindliche Planungsabsicht stellte Josef Gramann, Geschäftsführer der Firma Gramoflor, bei einem Ortstermin am 22.07. im Dorfgemeinschaftshaus Campemoor vor. Ergebnisse waren noch nicht zu verkünden. Ziel war es vor allem, die ca. 100 erschienenen Anwohner des Gebietes frühzeitig über die Geländearbeiten zu informieren. Von den Vertretern des Podiums wurde dazu einhellig betont, dass es für die Umsetzung von Maßnahmen auf vollständige Freiwilligkeit ankomme und nur mit Zustimmung der Landeigentümer und Bewohner des Gebietes möglich sei.

Fazit

Da soll es hingehen: Flach überstaute Abtorfungsflächen mit gutem Renaturierungspotenzial.

Einiges ist angestoßen, insbesondere in den Naturschutzgebieten und auf solchen Flächen, für die nach Beendigung der Abtorfung als Folgenutzung „Naturschutz“ vorgesehen ist. Als besonders herausfordernde Aufgabe bleibt, für die teilweise intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Nutzflächen Lösungen zu finden, die für Klima und Umwelt und gleichermaßen für die dort wirtschaftenden Betriebe verträglich sind.

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