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Im Dialog zu mehr Klima- und Naturschutz: Beispielhafter Kompromiss und Vorzeigeprojekt in Vörden Campemoor

 

Dr. Matthias Schreiber

Es liegt schon ein paar Monate zurück. Im Dezember 2025 haben das Umweltforum Osnabrücker Land e.V. und der BUND Niedersachsen ihre Widersprüche gegen die Abtorfungsgenehmigung des Landkreises Vechta für das Substratunternehmen Gramoflor zurückgezogen. Nachfolgend die gemeinsame Pressemitteilung dazu:

„Vechta, 18.12.25. Das Umweltforum Osnabrücker Land (UFO), der BUND Landesverband Niedersachsen und das Substratunternehmen Gramoflor unterzeichnen heute eine gemeinsame Vereinbarung. Mit der Unterschrift der drei Organisationen wird ein ursprünglich auf rund 95 Hektar genehmigter Torfabbau im Großen Moor in der Gemarkung Vörden (Campemoor) auf 45 Hektar reduziert. Gleichzeitig werden zusätzliche Flächen für Moorregeneration und Klimakompensation über die rechtlichen Vorgaben hinaus zur Verfügung gestellt. Zudem planen die Unterzeichner weitere Moorsanierungsprojekte in der Region zu initiieren.

Mit dem Ergebnis und dem beispielhaften Weg des konstruktiven und kooperativen Miteinanders von Wirtschaft, Natur- und Klimaschutz zeigen sich UFO, BUND und Gramoflor zufrieden:

Dr. Matthias Schreiber, UFO und Prof. Dr. Michael Rode, BUND Niedersachsen: „Im Ergebnis der konstruktiven Verhandlungen mit dem Unternehmen ist es gelungen, den bereits genehmigten Torfabbau auf gut die Hälfte der Fläche zu reduzieren. Außerhalb der vorgesehenen Abbauflächen, die nach Ende des Abbaus sukzessive renaturiert werden, können auf mindestens 45 Hektar derzeit entwässerten Moorflächen wertvolle Lebensräume und wirksame Kohlenstoffspeicher entwickelt werden.“

Josef Gramann von Gramoflor gibt hierzu an: „Natur- und Klimaschutz kann so im Einklang mit der Wahrung und Entwicklung des wirtschaftlichen Wohlstands in der Region erfolgen.“

Mit Unterzeichnung der Vereinbarung werden BUND und UFO ihre eingelegten Wider-sprüche gegen die ursprüngliche Genehmigung des Torfabbaus zurückziehen. Die Umweltverbände hatten Widerspruch eingelegt, da aus ihrer Sicht der Abbau von Torf und seine Verwendung angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise nicht mehr vertretbar ist. Sie fordern stattdessen, Moore als natürliche Klimaschützer zu erhalten und wieder zu vernässen, um Treibhausgase langfristig zu binden und Lebensräume für gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu sichern.

Im Fall des Campemoors lag dem Substratunternehmen Gramoflor jedoch bereits eine Genehmigung durch den Landkreis Vechta vor, mit dem der Firma Gramoflor der Torfabbau auf einer Fläche von etwa 95 Hektar erlaubt worden war. Gramoflor verwies dabei auf die weiterhin bestehende Nachfrage nach Torf im professionellen Gartenbau sowie mögliche ökologische Nachteile durch eine Verlagerung der Torfgewinnung ins Ausland.

Einigkeit bestand zwischen Umweltverbänden und Unternehmen darin, dass es trotz nationaler Moorstrategie, klimapolitischer Zielsetzungen und gesetzlicher Vorgaben derzeit weder auf Bundes- noch auf Landesebene ausreichend wirksame Förderprogramme gibt, die eine kurzfristige und gesicherte Vernässung der betroffenen Flächen ermöglicht hätten. Die drei Unterzeichner teilten die Auffassung, dass auch die aktuelle landwirtschaftliche Intensivnutzung auf den Flächen zu einem fortschreitenden Abbau der Torfsubstanz und damit verbundenen hohen CO2-Emissionen führen würde. Deshalb suchten die Beteiligten nach einer Kompromisslösung, die den bereits genehmigten Torfabbau auf einer reduzierten Flächenkulisse mit einer möglichst großflächigen Wiedervernässung und Renaturierung von Moorflächen verbindet.

Während eines Pressetermins am 18.12.2025 stellten Ansgar Brockmann, Bürgermeister der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden, Rainer Duffe, 1. Ratsvorsitzender und Landwirt aus Campemoor, Dr. Benedikt Beckermann, Kreisrat des Landkreises Vechta, Prof. Dr. Michael Rode vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Niedersachsen e.V., Dr. Matthias Schreiber vom Umweltforum Osnabrücker Land e.V. sowie Josef und Gabriela Gramann vom Substrat- und Erdenhersteller Gramoflor in Vechta die Vereinbarung vor.“

Ein paar ergänzende Anmerkungen

Grünland auf Hochmoor im NSG "Hahnenmoor" in den Landkreisen Osnabrück und Emsland.
Freisetzung eines Kohlenstoffspeichers durch Nutzung und: seit der Unterschutzstellung sind
gefährdete Brutvogelarten wie die Uferschnepfe verschwunden.

Für das Umweltforum gilt nach wie vor, dass Abtorfungen in keiner Weise noch in die heutige Zeit passen und angesichts der zunehmenden Erderhitzung ebenso wie die Verwendung von Torf kurzfristig beendet gehören. Allein – es fehlt dazu der politische Wille, dementsprechend sind auch keine Mittel vorhanden, um die notwendige Transformation voranzutreiben. Die wären erforderlich, um Ersatzstoffe im Erwerbsgartenbau und die noch bis in die vierziger Jahre laufenden Abbaugenehmigungen in Niedersachsen auszulösen.

Damit wäre es jedoch nicht getan, wollte man die CO2-Quelle „Moor“ wirklich „austrocknen“. Denn die intensive landwirtschaftliche Nutzung auf Moor führt zur Freisetzung von bis zu 40 t/ha und Jahr. Nullemissionen können selbst die wenigsten Naturschutzgebiete für sich verzeichnen, weil nur kleine Flächenanteile so vernässt sind, dass keine Emissionen auftreten.

In Niedersachsen stammen bis zu 20 % aller klimarelevanten Emissionen aus kohlenstoffreichen Böden, im Wesentlichen sind das die Moore. Hier wäre also ein besonderer Einsatz vonnöten. Davon ist jedoch nichts zu spüren. Zwar will Niedersachsen schon bis 2040 klimaneutral sein. Gleichwohl hat der niedersächsische Umweltminister seinerzeit im Verfahren befindliche Abtorfungsgenehmigungen befürwortet. Klimaneutralität bis 2040 und Abtorfungen bis in die 40iger Jahre passen nicht zusammen. Und auf ein Investitionsprogramm zum Schutz der Moorböden, wie sie für den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau und die dafür erforderliche Transformation aufgelegt wurden, sind in Niedersachsen gegen den Raubbau an den Mooren und deren Vernässung zum Schutz des Klimas weit und breit nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund konnte es für das Umweltforum sinnvollerweise nur um eine pragmatische Lösung gehen, die sich im Zuge mehrerer Gesprächstermine zwischen den beiden Umweltverbänden, dem Landkreis Vechta und dem Abbauunternehmen diskutiert und weiterentwickelt hatten.

Zuerst stand die Idee im Raum, auf einen Teil der Abtorfung zu verzichten und auf dieser Fläche Fotovoltaik auf vernässtem Moor zu installieren. Hier zeigten sich in der Diskussion nicht nur planerische Hürden (Festlegungen durch die Gemeinde in ihrem Flächennutzungsplan). Es fand sich vor allen Dingen auch kein Projektierer, der sich auf die Installation einer größeren PV-Anlage (ca. 30 ha) auf vernässtem Moor einlassen wollte. Insgesamt wäre das jedenfalls eine Kombination gewesen, die unter Klimagesichtspunkten weniger Schaden verursacht hätte als der Torfabbau auf der gesamten Fläche oder die Fortführung der derzeit stattfindenden, intensiven landwirtschaftlichen Nutzung mit ihren Emissionen.

Entwickelt wurde dann die am Ende auch vereinbarte Kombination aus Reduktion der Abbaufläche, zusätzlicher Vernässung von bisher trockenliegenden Flächen sowie eine Vorratsplanung auf einem im Detail noch in der Abstimmung befindlichen Teilbereich des Großen Moores/Campemoor.

Was gab den Ausschlag?

Zentral für die Entscheidung waren schließlich die prognostizierten CO2-Emissionen, die für die hier denkbaren Szenarien errechnet und in der Abbildung dargestellt sind. Dabei schnitt die jetzt vereinbarte Planungsvariante für einen Zeithorizont von 100 Jahren am wenigsten schlecht ab, d.h., die über die Jahre aufgehäuften Emissionen waren am geringsten. Schlechter schnitt selbst die „Nullvariante politisch“ ab, bei der angenommen wurde, dass keine Abtorfung erfolgt, aber ab 2030 kein Ackerbau mehr auf Moor stattfindet. Dabei waren sich alle Beteiligten einig, dass ein Verzicht oder gar ein Verbot auf Ackerbau auf Moorstandorten nicht auch nur im Ansatz in Sicht ist. Am schlechtesten schneidet allerdings die „Nullvariante Vorflut“ ab, die davon ausgeht, dass die Fläche zwar nicht abgetorft wird, aber die landwirtschaftliche Nutzung wie bisher stattfindet, bis irgendwann der Torf komplett zersetzt ist und eine fehlende Vorflut keine weitere Nutzung mehr zulässt. Dieses Szenario wäre noch schlechter als die ursprünglich beantragte Abtorfung. Denn damit würde man am Ende mit 260.000 t CO2 landen, also zwischen der gelben und gelb gepunkteten Linie.

Es ist wie so oft beim Klima- und auch beim Naturschutz: Die Handlungsspielräume decken sich nicht mit den politischen Absichten (ob grün, rot oder schwarz), aber eben auch nicht mit den Erfordernissen zum Schutz von Klima und Biodiversität. Deshalb gilt:

Wir haben zwar nicht die Zeit, aber wir werden sie wohl uns nehmen müssen!

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